„Die 3000er“ und die „Alten Meister“ bringen bei einer besonderen Aktion des Lions Clubs Neuwied-Andernach Farbe in den Schlosspark

Kunst im Park: 54 Menschen, zehn Meter Papier und ein gemeinsames Werk

Pinsel eintauchen, eine Farbe wählen und einfach anfangen. So unkompliziert begann am Mittwochnachmittag im Neuwieder Schlosspark ein besonderes Experiment. 54 Menschen waren der Einladung des Lions Clubs Neuwied-Andernach zu „Kunst im Park“ gefolgt, einer Sonderaktion im Rahmen von „3000 Schritte für Bewegung und Begegnung“. Mit dabei waren die regelmäßigen Teilnehmenden der 3000 Schritte, die an diesem Nachmittag ganz nebenbei einen neuen Namen für sich fanden: „die 3000er“. Gemeinsam mit den „Alten Meistern“, die bereits mit Elmar Herrmann in einem Workshop künstlerisch arbeiten, machten sie sich an ein ungewöhnliches Gemeinschaftswerk. Dafür war an den Lions-Bänken eine rund zehn Meter lange Tafel aufgebaut worden. Darauf lag eine ebenso lange weiße Papierbahn. Farben, Pinsel, Wasser, Bleistifte und Tupftücher standen bereit. Mehr brauchte es nicht. Künstlerisch begleitet wurde die Aktion von Elmar Herrmann, ebenfalls Mitglied des Lions Clubs Neuwied-Andernach, Vorsitzender des Neuen Kunstvereins Mittelrhein und selbst Künstler. Mit seiner ermutigenden und motivierenden Art lud er die Teilnehmenden dazu ein, sich etwas zuzutrauen, mit den Farben zu spielen und einfach anzufangen. Es ging nicht darum, „malen zu können“, sondern darum, sich auf das Experiment einzulassen und zu entdecken, was entstehen kann.

Und dann ging es los. Schon nach kurzer Zeit war von dem Weiß kaum noch etwas zu sehen. Auf beiden Seiten der langen Tafel wurde gemalt, getupft, gezeichnet und ausprobiert. Manche ließen sich von den Bäumen und Farben des Schlossparks inspirieren, andere folgten einfach dem Pinsel und ihrer Fantasie. Blumen entstanden, Wellen, Bäume, Figuren, kräftige Farbflächen und feine Linien. Und dann kam Bewegung ins Bild. In regelmäßigen Abständen gab Sylvia Brathuhn, Sen-Beauftragte des Lions Clubs Neuwied-Andernach, als eine Art „lebender Gong“ das Zeichen zum Weiterrücken: ein Klatschen in die Hände, begleitet von einem unüberhörbaren Sirenengeräusch. Wer weiterrückte, malte dort weiter, wo jemand anderes aufgehört hatte. Eine Linie wurde aufgenommen, eine Farbe ergänzt, eine Form weiterentwickelt. So gehörte bald kein Abschnitt mehr einem Einzelnen.  Aus vielen Händen und vielen Ideen entstand nach und nach ein einziges gemeinsames Bild. Und tatsächlich war ein Satz an diesem Nachmittag erstaunlich selten zu hören: „Ich kann nicht malen.“ Stattdessen wurde ausprobiert, gelacht, geschaut, weitergemalt und manchmal eben auch ein wenig über den „Gong“ hinweggehört. Niemand musste etwas können oder beweisen. Jeder konnte etwas beitragen. Als schließlich die Pinsel abgelegt wurden, waren selbst diejenigen überrascht, die daran mitgemalt hatten: ein farbenprächtiges, lebendiges Gemeinschaftswerk. Es wurde betrachtet, bestaunt und schließlich mit kräftigem Applaus gefeiert.

54 Menschen hatten daran mitgewirkt. Niemand hatte es allein geschaffen. Und doch war von jedem etwas darin. Damit wurde „Kunst im Park“ fast nebenbei zu einem Bild für das, worum es auch bei „3000 Schritte für Bewegung und Begegnung“ geht: sich auf den Weg machen, einander begegnen, etwas miteinander teilen und erleben, was entstehen kann, wenn viele ihren Teil dazugeben. Und so nahmen die „3000er“ und die „Alten Meister“ am Ende nicht nur die Erinnerung an einen besonderen Nachmittag mit nach Hause. Ein bisschen Farbe dürfte bei jedem geblieben sein – an den Händen vielleicht, ganz sicher aber im Herzen.